Vom Reisen und Ankommen

Mitty, unser Wohnwagen

Schwermut und Melancholie überfallen mich jedes Mal wenn wir zu Hause ankommen. Die Gedanken an die Reise, die hinter uns liegt, schmerzen und schneiden tiefe Wunden in meine Seele. Weil es vorbei ist.. Da kann ich noch nichts schreiben, keine Fotos sortieren. Dass ich wieder zu Hause bin, muss ich erstmal verarbeiten.

In der Letzten Woche unserer Reise durch Schweden schrieb ich meiner Freundin eine Whatsapp: „ich will nicht nach Hause“ mit einem traurigen Smiley hinterher. Sie antwortete mir prompt mit: „Das willst du doch nie, Schatzi“. Diese kurze Konversation begleitet mich nun seit Wochen. Sie hat sowas von Recht. Ich will nie nach Hause. Ich will nie ankommen. Ich will immer unterwegs sein. Immer weg. Warum? „No place like home“ – trifft für mich nicht zu. „Es gibt nichts Schöneres als im eigenen Bett zu schlafen“ – ich schlafe im Wohnwagen und im Zelt genauso gut, sogar noch besser, vor allem, seit ich für mich die Oropax entdeckt habe. Zuhause ist für mich nur eine Zwischenstation.

In der letzten Woche unserer Reise plante ich bereits die nächste und schmiedete sogar Pläne für die übernächste, längere Reise. Das kann nicht nur mit meiner Liebe zum Planen und To-do- Listen zusammenhängen.

Das Gefühl sich in das Auto zu setzen und zu wissen, dass im Kofferraum die Rucksäcke mit Wechselkleidern und Proviant sind und wir jetzt los und eine lange Strecke fahren, ist für mich dem Gefühl gleich, das manche beim Shoppen oder beim Kauf eines neuen Autos haben. Je länger die Strecke desto besser.
In Schweden fuhr ich alleine mit M. 12 Kilometer bis zum nächsten Supermarkt mit einer Poststation. Die Strecke war wunderschön, die blühende Wiesen, die bestellten Felder, die Wälder und die Felsen. Ich wunderte mich zuerst warum die Autofahrer so entspannt sind, warum sie auf der Strecke wo man 80km/h fahren darf nur 60 km/h fahren und versuchen nicht einmal zu überholen. Ich selbst hatte auch keine Lust zu überholen. Die Natur links und rechts der Fahrbahn machte es möglich, diesen gehetzten Fahrstill, dieses Gefühl irgendwohin mit einer rasenden Geschwindigkeit anzukommen, abzulegen. Ich wäre am liebsten einfach weiter gefahren, bis nach Kiruna, bis zum Nordkap und wenn möglich noch weiter. Leider war es die falsche Richtung. So bogen wir nach Färgelanda ab.

Ich fliege nicht gern. Nicht nur weil ich Flugangst habe. Es geht zu schnell. Man ist schnell in einem anderen Land, andere Außentemperatur, andere Landschaften, andere Sprache. Die Zeit der Anreise schrumpft, und vor allem mit den Kindern hat es gewisse Vorteile. Doch, ich brauche diese Zeit. Diese Stunden im Auto oder im Zug. Diese Zeit ist für mich die Vorfreude, die wie man vom Hörensagen weiß, die beste Freude ist.
Nun komme ich nicht ganz um das Fliegen drum herum, wir planen einige kurze Trips mit dem Flugzeug, auf die sich die Kinder besonders freuen, weil es eben mit dem Flugzeug hingeht. Da muss ich durch.

Bevor ich Berichte schreibe, was ich unglaublich gerne tue und weswegen ich das ja mit diesem Blog hier versuchen wollte, muss ich noch ein paar Pläne schmieden. Fähren, Fluge und Reisezeiten vergleichen, Wanderwege raussuchen, mich nach neuer Equipment fürs Trekking umschauen. Dann geht es mir besser, dann kann ich weiter machen und mich von der Vorfreude tragen lassen.

Oelsbergsteig, ein Klettersteig für Anfänger

Der Weg zum Oelsbergsteig

Die kleine Bergziegentour

Als ich mit meiner Klasse, von der Jugendherberge Oberwesel aus, diese Wanderung zum ersten Mal machte, wusste ich, dass das genau die richtige Route für meine Kinder ist.
Und nun, wanderten wir zum dritten Mal den Weg zur Maria Ruh den Oelsbergsteig hoch. Diesmal bei einem prächtigen Wanderwetter.
Wir starteten am späten Vormittag, begleitet von einer befreundeten Familie. Was eigentlich eher selten vorkommt, meistens sind wir als fünfer Gespann unterwegs.

Der Klettersteig an sich, in eine Richtung etwa 2km, ist nicht besonders lang, gut befestigt und eignet sich damit sehr gut für Anfänger und eine Wanderung mit den Kindern.

Bitte folgen 😉

Vor dem Anstieg zum Oelsbergsteig kann man gut Parken, am Bahnübergang im Norden Oberwesels, was wir auch machten. Rucksäcke mit reichlich Wasser und Proviant auf dem Rücken, Sonnencreme und Mützen nicht vergessen – viele Passagen sind recht exponiert und bieten keinen Schatten, ging es los.

Der Blick zurück auf Oberwesel

Zum Eingang des Oelsbergsteigs laufen wir auf einem Schotterweg etwa 10-15 Minuten bergauf. Schon von hier aus blickt man über Oberwesel und auf den Rhein. Jetzt, im Sommer, hört man auch die Straße richtig gut, die Motorradfahrer nutzen das schöne Wetter ebenfalls aus.

Laut der Warntafel am Eingang des Steigs, sollte man trittsicher und schwindelfrei sein. Doch so extrem wird es nicht. Die zwei Leitern die wir auf dem Weg hochstiegen, kann man problemlos umgehen. Erfahrungsgemäß, sollten aber die Knie in Ordnung sein, denn an manchen Felsen muss man schon mal in die Hocke, um auf- oder abzusteigen.
Die Kinder bekamen die Einweisung, sich nicht aus unserer Sichtweite zu entfernen – kein Steig ist zum Fangenspielen oder für waghalsige Überholungsmanöver geeignet. Manche Passagen sind eng und nur als „Singletrail“ begehbar, an einem Drahtseil kann man sich dabei festhalten. Steigbügel und Klammern helfen an den Felsen entlang zu gehen oder auf diesen hochzusteigen.

Der Weg ist bestens ausgeschildert. Viele Bänke, mit und ohne Tische, eine Ruheliege, alle mit dem Blick auf den Rhein. Diese Ruhegelegenheiten ließen wir hinter uns, liefen an einem Bach vorbei weiter hoch hinaus – unser Ziel für die Pause war ein anderes. Stattdessen, blieben wir ab und zu mal stehen um einen Schluck Wasser zu trinken und um den unbeschreiblich schönen Ausblick auf und über den Rhein zu genießen.

Viel zu schnell ist der Steig auch zu Ende und wir kamen an eine Aussichtsplatform, Pfalzblick, die einige Bänke zum Ausruhen und ein Panoramablick über die gesamte Umgebung bietet. Eine mit Wein bewachsene Hütte spendete Schatten und bot uns die Möglichkeit, aus unserem Picknick eine Tafel zu machen. Ebenfalls gibt es hier eine Feuerstelle, aber leider kein Holz. Wir machten hier eine längere Pause und breiteten unsere ultraleichte und kompakte Odoland Picknickdecke* zum testen auf der Wiese aus. Wir waren fast alleine hier. So leer habe ich diesen Wanderweg noch nie erlebt. Da es auch ein Feiertag war, rechnete ich fest damit unser Weg mit etlichen Gruppen und Familien zu teilen und plante auch längere Wartezeiten an den engen Stellen mit ein. Doch wir begegneten nur einmal einem Ehepaar, das den Weg Richtung Oberwesel runterlief.

Der Pfalzblick

Nach der Pause falteten wir unsere Decke, packten unseren Müll ein (es gibt keine Gelegenheit den Müll zu ensorgen!) und marschierten weiter.
Von hier aus hat man mehrere Möglichkeiten:
1. Man läuft den Oelsbergsteig wieder hinunter, so wie man ihn auch hoch kam. Das ist immer der Wunsch der Kinder gewesen.

2. Man läuft den Weg durch die Weinberge, Felder und den Wald nach Oberwesel hinunter.

3. Man läuft weiter Richtung Urbar, zum Loreleyblick. Maria Ruh ist ein nettes Restaurant mit einer Terrasse und einem Biergarten. Möchte man mit leichtem Gepäck wandern, so bietet sich eine hervorragende Gelegenheit eine Pause einzulegen, gutbürgerlich zu essen. Selbstgemachte Kuchen und guten Kaffee gibt es ebenfalls. Den phantastischen Blick auf den Loreleyfelsen gibt es umsonst dazu.

Die Loreley auf der gegenüberliegenden Seite

Wir liefen natürlich weiter, also die Variante 3, ergatterten einen Tisch in der ersten Reihe im Biergarten und genossen bei kleinem Imbiss und netten Gesprächen die Umgebung.

Loreleyblick Maria Ruh

Gut gestärkt und ausgeruht, laufen wir zurück zum Pfalzblick und von da aus die Variante 2, also über die Felder, Weinberge und den Wald nach Oberwesel.

Zurück nach Oberwesel. Bitte folgen 😉





















Im Wald treffen wir, abgesehen von reicher Flora und Fauna die Kinder viel mehr interessierte, auf verschiedene Skulpturen aus Schrott. Alle Skulpturen stellen Trolle dar und haben ulkige Namen. Zum Ende hin wird es etwas steil und einige Treppen sind zu bewältigen. Gutes Schuhwerk ist auf dieser Route sowieso von Vorteil. Am Ortseingang Oberwesel lösten sich die Kinder von ihren Wanderschuhen und wanderten barfuß durch die Stadt. Eine alte Tradition bei uns. Jede Wanderung wird zu einem Barfußweg, mal kürzer mal länger. Von Ende April bis 1. November hört man von mir auf die Frage: „Darf ich barfuß laufen?“ immer ein „Ja“.

In Oberwesel liefen wir noch ein wenig durch die Stadt, holten uns (noch) ein Eis und saßen am Rathaus unter den Bäumen. Es ist sehr ruhig hier, aber irgendwie gemütlich. In dieser Gegend mag ich die Verbundenheit mit der Mittelaltergeschichte so gerne – alte Häuser, Burgen und alte Gassen.. Mancherorts scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Bis zum unserem Auto waren es, mit ausgeruhten Füßen, nicht einmal 10 Minuten Laufzeit. Auf dem Weg dahin wurde schon besprochen was wir auf dem Rückweg hören werden. Da die Kinder im Moment in Woodwalkers*-Fieber sind, dauert die Diskusion keine Minute lang. Eigentlich, war der Plan die Hörbuchreihe auf dem Weg nach Schweden zu hören, doch sind die Bücher so spannend (wir hören ja mit, und mögen es auch ganz gerne), dass wir bereits den sechsten und somit letzten Teil angefangen haben.

Die Rückfahrt am Rhein ist herrlich. Je nach dem von welcher Seite man kommt, bietet sich auch eine Überfahrt auf der Fähre an, die wir auch an diesem Tag nahmen… nicht wissend dass Rüdesheim für einen Harley-Davidson Event gesperrt war. So kam es, dass wir eine kleine Rheigautour machten machen mussten. Einmal Ausfahrt verpasst und zack: „Wenn möglich, bitte wenden!“… Problematisch auf der Strecke.. Aber schön war die Aussicht, spannend das Hörbuch, es meckerte keiner und Zuhause kamen wir auch irgendwann an.

Wandern mit Kindern auf dem Oelsbergsteig

Art: Rundwanderweg, Klettersteig
Dauer: mit Pausen ca.5 Stunden
Länge: ca. 10km
Gut geeignet für Kinder die Spaß am Wandern haben und bereits etwas
Kondition haben.
Der Oelsbergsteig ist für eine Wanderung mit Kinderwagen nicht geeignet!

XO Daria

Freiheitslust und Hochsaisonfrust

Es herrscht zunehmend Aufregung in unserem Haus. Nur noch eine Woche Schule. Nur noch eine Woche bis zu unserer, bisher größten und längsten, Reise.

Das Land und der Zeitrahmen stehen fest. Es geht nach Schweden, für knapp vier Wochen. Mit unserem Wohnwagen. Da wir unglaublich gerne in der Natur sind, wollte ich, dass wir verschiedene Nationalparks in Schweden besuchen. Nationalparkhüpfen, so zu sagen.. Wir wollen es versuchen, die großen Touristenmassen zu vermeiden und eher die ursprüngliche Seite des Landes kennenzulernen.

Als ich unsere Reise plante hatte ich ein Ziel. Außer dem Reiseziel selbst. Ich wollte, dass wir frei sind. Ich wollte spontan entscheiden wann die Reise weiter geht. Nach der Sonne leben, auch, wenn auch nur für kurze Zeit.

Nun, es ist leider kaum möglich mit schulpflichtigen Kindern und berufstätigen Eltern in der Hauptsaison spontan zu sein. Zumindest scheint es mir so. Als ich auf den meisten Homepages der Campingplätze auf unserer festgelegten Route auf die Empfehlungen zur Reservierung in der Hauptsaison stieß, packte mich die Angst. Was, wenn wir auf dem Campingplatz ankommen und es gibt für uns keinen Platz mehr ? Was, wenn es auch auf einem der benachbarten Campingplätze keine freie Plätze mehr gibt? Auf einem Campingplatz wollte ich die Lage mal checken und für den von mir angegebenen Zeitraum gab es keinen freien Parzellen mehr frei. So, nun war ich leicht panisch. Schweren Herzens, entschieden wir alle Plätze auf unserer Route zu buchen. Ich wollte kein Risiko angehen. Mit den Kindern und unserem, nicht autarken, Wohnwagen irgendwo übernachten. Das ist für mich, noch, eine Nummer zu groß. Und das ist frustrierend.

Die Route in Schweden. Ab Rostock. An Kiel.

Die Entscheidung, welche National Parks wir besuchen werden, war um einiges einfacher. Das Einzige, was zu beachten war – die Entfernung. Nicht länger als 3 Stunden Fahrt ohne Wohnwagen. Mit dem Wohnwagen und den Pausen brauchen wir, erfahrungsgemäß, etwa die anderthalb mal die vom Navi kalkulierte Fahrzeit. Also max. 5 Stunden Fahrt. Die Campingplätze wählte ich in der Nähe der Parks.
Diese National Parks stehen auf dem Plan:

Åsnen National Park
Tiveden National Park
Norra Kvill National Park
Tresticklan National Park

Eventuell, wenn es die Zeit zulässt:
Kosterhavet National Park

Die Seite der Schwedischen National Parks enthält viel Wissenswertes über die Parks. Für manche gibt es sogar Booklets, mit Wanderrouten oder der Flora und Fauna des Parks, zum downloaden. Manchmal muss man auf Englisch oder Schwedisch umschalten, leider gibt es nicht alle Informationen auf Deutsch.

Die Vorfreude, diese Landschaften zu bewandern und kennenzulernen, dämmt ein wenig den Frust über die geraubte Freiheit ein. Ein Paar Highlights für die Kinder, die nichts mit Wandern zu tun haben, müssen auch sein. Vor allem für L. sind die Elchparks Prio eins. Kanufahren für M., SUP für K., Zeit für Gitarre für C. … Und bitte, für L., K. und M. – keine Museen! Also, nur Abenteuer!

Da alles Anderes bereits fest steht sind es nur noch die Einkaufs-, To-Do- und die Checklisten abzuhaken. Und irgendwie, weiß ich nicht so recht was ich alles einpacken soll. Wie ist das Wetter dort? Wie kalt sind die Abende? Wir kennen Schweden nur aus Filmen, Blogbeiträgen und vom Hörensagen. Schön, Kalt, Mücken, keine Elche. Ist es wirklich so? Wie dem auch sei, ich kaufe mir für die Ferien eine Mütze. Ich hoffe, sie nimmt mir ein wenig die Angst vor verpassten Fähren, überfüllten Campingplätzen und Mückenschwärmen.

XO Daria

Die erste Reise

Die erste Reise im übertragenen Sinne. Der erste Blogbeitrag. Zum ersten Mal online. Nach langem Grübbeln, nach langem Warten, nach langem Lernen. Also, fange ich an zu bloggen. Über unsere Reisen, über das Campen und die Campingplätze. Und über das Wandern. Wer wir sind, kann man hier erfahren.

Ich möchte unsere Erfahrungen festhalten. Nicht nur auf Papier. Ich führe Wandertagebücher und Reisefotoalben. Das bereitet mir eine große Freude, ich kann alle Erinnerungen als Foto und in Textform festhalten, so bleiben die Erinnerungen auf eine gewisse Weise lebendig. Und die Kinder schauen sie sich sehr gerne an, als Zeitvertreib. Lustigerweise, egal wie schwer die Wanderung war, wie wenig Lust sie darauf an dem Tag hatten und wie müde sie danach waren, sagen sie jedes mal wenn sie eines der Alben schließen – „das war soooo schön da!“

Außerdem, habe ich gemerkt, dass ich den Wunsch habe mich auszutauschen. Mit Gleichgesinnten Erfahrungen oder Tipps zu teilen, neue Bekannschaften zu schließen. Meinen Horizont zu erweitern.

Es wird wohl länger dauern, bis ich, blogtechnisch, alles im Griff habe und die Beiträge schnell und sicher verfassen kann, so wie ich sie mir vorstelle. Aber, ich sehe das auch als eine Reise an. Eine Reise die zwar ein Ziel hat, doch mit der man mitwachsen muss, die immer variabel ist und immer Überraschungen bereit hält.

XO
Daria